Strukturelle Gewalt


Definition


Strukturelle Gewalt bezeichnet die Dimension, in der Gewalt von den Strukturen eines Gesellschaftssystems ausgeht. Sie wirkt indirekt und ohne einen konkreten, sichtbaren Akteur. Wie bei der personalen Gewalt ist auch bei der strukturellen Gewalt die Folge die Schädigung und das Leiden von Menschen, wobei die Schäden auch hier physischer, psychischer oder sozial-interaktiver Natur sein können.

Strukturelle Gewalt bezeichnet also die Existenz von ungleichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen in einem gesellschaftlichen System - wie zum Beispiel Hierarchieebenen in Kastensystemen oder Rollenzuweisungen. Sie äußert sich demnach in dem Vorhandensein sozialer Ungerechtigkeit. Strukturelle Gewalt wird oft als Ursache oder Auslöser für personale Gewalt angesehen.

empirische Erhebung


Diese Form der Gewalt ist nicht beobachtbar. Sie kann nur anhand von vermuteten Strukturen erschlossen werden, was sie zu einer willkürlichen Größe macht. In der Forschung wird strukturelle Gewalt deshalb lediglich dahingehend erfasst, ob im Handlungsablauf eines bestimmten Programms soziale Ungerechtigkeit eine für die Handlung der Protagonisten bedeutsame Komponente ist oder nicht.

Zusammenhang strukturelle und personale Gewalt


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Während zur personalen Gewalt auch Schädigungen von Tieren und Sachen gezählt werden, bezieht sich die strukturelle Gewalt nur auf den Menschen.



Quellen


KUNCZIK, Michael; Zipfel, Astrid. 2006. Gewalt und Medien. Ein Studienhandbuch. 5.Auflage. Böhlau Verlag. Köln.

THEUNERT, Helga. 1987. Gewalt in der Realität. Gesellschaftliche Zusammenhänge und pädagogisches Handeln. Leske Verlag + Budrich. Opladen.

MERTEN, Klaus. 1999. Gewalt durch Gewalt im Fernsehen?. Westdeutscher Verlag. Opladen.